Sexistischer Feminismus kostet die Grünen den Wahlsieg und beschädigt Spitzenkandidatin

Bei der Bundestagswahl am 26. September haben die Grünen mit 14,8 Prozent nicht nur ein Ergebnis eingefahren, welches die Partei gleichsam mit der FDP zum kleineren Partner in einer möglichen Koalition macht. Sondern sie hat auch einen sechs Monate währenden Absturz hinter sich, vor dessen Beginn die Grünen auf Augenhöhe mit den beiden großen Konkurrenten SPD und Union lagen, inklusive deren Wahlergebnis.

Zur Veranschaulichung ein Blick auf die Entwicklung der Zustimmungswerte der potenziellen Regierungsparteien vom Beginn des Wahlkampfs bis zur Wahl:

März 2021WahlergebnisDifferenz
SPD15 %25,7 %+71 %
Union28 %24,1 %-14 %
Grüne23 %14,8 %-36 %
FDP9 %11,5 %+28 %
Die Werte aus dem März 2021 schwanken je nach Umfrage um ein paar Prozent, jedoch ist die Tendenz bei den Grünen klar.

Der Abstieg in den Umfragen ein halbes Jahr vor der Wahl begann zwar mit der Verkündigung der Kanzlerkandidatin, jedoch gilt es nicht zu vergessen, wie zögerlich Annalena Baerbock Kandidatin wurde. Die Ursache für den negativen Eindruck bei den Wählern war nicht, dass Frau Baerbock überfordert war. Sondern, dass sie überfördert war. Woher das Sponsoring kam, ist kein Geheimnis.

Die Verantwortung dafür trägt der sexistische Feminismus, welcher sich in Teilen der Ökopartei breit gemacht hat. Dieser verfügt über ausreichend Einfluss um etwa etwa bei der Frage der Spitzenkandidatur die Richtung der Partei vorzugeben. Folglich muss dieser Einfluss auch bei der Ursachenfindung als Problem identifiziert werden.

Die Ereignisse haben Entwicklung und Zukunftsaussichten der Kandidatin schwer beschädigt. Ohne feministische Vormundschaft könnte Annalena Baerbock nun ein wichtiges Ministeramt bekleiden, mit der Aussicht bei der nächsten Bundestagswahl mit Schwung als Spitzenkandidatin anzutreten. Stattdessen ist eine erneute Bewerbung um das Kanzleramt nun schwer vorstellbar.

Als wäre dies nicht genug, hat die feministische Fraktion den Grünen eine gute Chance auf die Regierungsführung genommen. Die Wählerwanderung von der Union und der Linkspartei zur SPD zeigt, welche Volatilität im linksbürgerliche Lager in den Wochen vor der Wahl herrschte. Mit weit unter 20% für die Grünen in Umfragen lag die Präferenz der Wähler jedoch weitgehend bei den roten Genossen. Ansonsten hätte die Ökopartei eine 15-Prozent-SPD wohl abgehängt und nur noch mit einer im Wahlkampf schwächelnden Union konkurriert.

Jenseits der Regierungsverantwortung hat der innerparteiliche Feminismus politische Anliegen wie Klimaschutz, progressiver Gesellschaftspolitik, grüner Außenpolitik und einer Modernisierung des Sozialstaats erheblich ausgebremst. Ein schlechteres Wahlergebnis reduziert das Gewicht dieser Themen innerhalb einer zu erwartenden Koalition mit Beteiligung der Grünen. Es stellt sich die Frage, mit welchem Recht feministische Ideologen derartige Kollateralschäden anrichten und wie dies zum grünen Selbstbild passt, welches gegenüber dem Wähler kommuniziert wird.

Der Umweltpartei nahestehende Medien erörtern bereits Konsequenzen aus dem Findungsprozess für die Spitzenkandidatin. So wird etwa eine Abschwächung des Frauenstatus gefordert.

Die Grünen sollten sich aber Gedanken darüber machen, ob sie es mit ihrem Führungsanspruch wirklich ernst meinen und ob das weit über die Quote hinausgehende Frauenstatut – die Nummer eins muss immer weiblich sein – noch dazu passt.

taz.de

Es war jedoch nicht das Frauenstatut, welche die Entscheidungsfindung auf Abwege geführt hat. Die Grünen müssen erkennen: eine Dogmatik welche die Gesellschaft spaltet, die zerspaltet auch das eigene Wählerpotenzial.

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