Südkorea: Feminismus verroht Geschlechterdebatte

Bereits seit einigen Jahren entwickelt sich in Südkorea eine von anderen Nationen unterscheidbare Geschlechterdiskussion, die dennoch Parallelen zu anderen entwickelten Ländern aufweist. Die Geschlechterpolitik ist dort sehr stark von den Bedingungen wie dem sozioökonomischen Druck auf die nachwachsende Generation oder den militärischen Anforderungen durch die Teilung Koreas geprägt. Der Feminismus zeigt sich jedoch auch in Südkorea als spalterisch und destruktiv.

Die Situation insbesondere der jüngeren Menschen in Südkorea wirkt wie eine Ansammlung von Extremen: auf dem Arbeitsmarkt herrscht hoher Druck und immer mehr junge Arbeitnehmer haben keinen oder keinen festen Job. Mehr und mehr junge Koreaner sind unverheiratet oder Single. Die Reproduktionsrate ist mit 0,92 Kindern pro Frau die niedrigste der Welt, sodass die alternde Bevölkerung bald schrumpfen wird. In Südkorea gilt eine zweijährige Wehrpflicht für Männer, welche angesichts des Nachbarlands im Norden kein Zuckerschlecken ist.

Vor diesem Hintergrund entzündet sich – wenig verwunderlich – eine Debatte über Geschlechtergerechtigkeit. Bedingt durch feministische Einflüsse führt diese Debatte jedoch nicht zu zielführenden Veränderungen in der Geschlechter-, Wirtschafts- und Sozialpolitik sondern zu einem „Gender War“. Dieser zeichnet sich aus durch zwischen-geschlechtliche Hass-Kommentare, Schmäh-Emoji sowie Boykotterklärungen an Partnerschaft und Familie („no dating, no sex, no marriage, and no child-rearing„). Auch führt der Dissens zu einer stark gespaltenen Meinung über die Geschlechterpolitik der Regierung entlang der Geschlechtergrenzen.

With a battle of the sexes raging online, 56 per cent of South Koreans aged 19 to 29 named conflict between the genders as the most severe clash of opinions affecting society in another Realmeter opinion poll of 1,018 people in December.

South China Morning Post

Zu politischen Maßnahmen wie Verbesserungen für Arbeitnehmer, besserer sozialer Absicherung, Familienförderung oder einer Wehrdienstreform führt diese Entwicklung natürlich nicht. Denn solange die junge Generation als primär betroffene Gruppe damit beschäftigt ist sich zu beleidigen und gegenseitig die Schuld zuzuschieben, entsteht selbstverständlich kein politischer Handlungsdruck.

In Südkorea zeigt sich somit erneut, wie Feminismus nicht nur als Träger politischer Probleme auftritt, sondern auch die politischen vorgesehenen Mechanismen zur Behebung dieser Probleme außer Gefecht setzt.

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