AstraZeneca und das Schweigen der Feministen

Nach einer Impfpause vor einer Woche wurde kürzlich die Verabreichung des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca erneut eingeschränkt, zuletzt aufgrund geänderter Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Ursache dafür ist das Auftreten seltener Fälle von medizinisch schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca.

Bereits zuvor wurde in NRW und Berlin die Vergabe des Impfstoffs an Frauen eingeschränkt, nachdem es vor Ort zu Thrombosefällen gekommen war. Auch unter den bundesweit gemeldeten Fällen waren jüngere Frauen überproportional betroffen. Und das auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass mehr Frauen häufiger als Männer mit AstraZeneca geimpft wurden.

Auffällig dabei ist jedoch die flächendeckende Abwesenheit feministischer Kommentare zum Thema. Das verwundert, denn sonst wird durch Feministen bei jeder Gelegenheit lautstark die These eines sexistischen Bias in Medizin und Pharmazie beklagt. Schwere Nebenwirkungen bei Frauen durch einen wichtigen Impfstoff in einer Pandemie wären eigentlich eine Steilvorlage für feministische Kritik. Auf das Risiko tödlicher Nebenwirkungen durch den AstraZeneca-Impfstoff haben jedoch nicht Feministen reagiert, sondern die verantwortlichen Mediziner und Institutionen.

Von feministischen Aktivisten ist außer dem Abspulen von Dogmen nichts zu erwarten, erst recht keine Vertretung der Interessen von Frauen im Ernstfall. Auch der Vorschlag, rein präventiv für jüngere Frauen andere Impfstoffe einzusetzen wurde von feministischer Seite nicht geäußert. Auf diese Idee mussten zwischenzeitlich erst andere kommen.

Ein genauer Blick auf die Geschehnisse zeigt auch, dass das Gesundheitssystem ohne feministischen Einschlag sehr wohl „geschlechtersensibel“ ist. Und zwar, indem das Meldesystem und die Risikoüberwachung für Impfungen auch in einer Pandemie funktionieren und wenn nötig handeln. Dass es speziell bei Frauen eine sehr seltene Nebenwirkung gibt kann schlecht als sexistisch gewertet werden, weil von dieser Nebenwirkung vor der großflächigen Verimpfung niemand weiß.

Ohnehin ist die Realität komplizierter als der feministisch propagierte Geschlechterkampf. So wurde der AstraZeneca-Wirkstoff oftmals bei jüngeren Frauen verimpft. Denn diese arbeiten überproportional häufig im Gesundheitswesen, dessen Personal in der Impfreihenfolge priorisiert wird. Außerdem wurde der fragliche Wirkstoff zu Beginn mangels Daten aus klinischen Studien nicht an Personen über 65 verimpft und kam eher für Jüngere zum Einsatz. In der Folge weiß man über das Risiko einer Hirnvenenthrombose bei jungen Männern oder älteren Menschen wiederum weniger. Ausgesetzt wurde die reguläre Impfung mit AstraZeneca allerdings für Menschen aller Altersgruppen unter 60 Jahren. Welches Geschlecht soll bei einem solchen Mischmasch denn bitte im Vorteil sein?

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